Woche vom 21. September 2026
Das Leuchten im Herbstwind
Lesung: Matthäus 11,28 — Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Wenn ich in diesen Tagen durch den Kreuzgang unserer Kathedrale gehe, spüre ich, wie die Luft kühler wird und das Licht eine tiefere, fast goldene Ruhe annimmt. Die Natur bereitet sich darauf vor, loszulassen, und vielleicht spürst auch du in deinem Herzen das Bedürfnis, einmal innezuhalten. In einer Welt, die oft laut und fordernd ist, wirkt die Stille des Kirchenraums wie ein Anker. Hier, zwischen den alten Mauern, zählt nicht, was du geleistet hast oder wer du in den Augen anderer sein musst. Gott erwartet dich nicht mit einer Liste von Aufgaben, sondern mit offenen Armen, die dich in deiner Ganzheit annehmen wollen.
Das Wort Jesu aus dem Matthäus-Evangelium ist kein fernes Versprechen, sondern eine Einladung an dich, ganz persönlich. Erquicken – das bedeutet nicht nur Ausruhen, sondern ein tiefes Aufatmen der Seele. Vielleicht trägst du Erinnerungen mit dir, die schwer wiegen, oder Sorgen, die dir den Schlaf rauben. Ich möchte dir sagen: Du musst diese Lasten nicht allein tragen. Das einfache Leben mit Gott beginnt dort, wo wir aufhören, perfekt sein zu wollen, und stattdessen anfangen, unsere Zerbrechlichkeit vor ihn hinzulegen. Es ist das Gebet ohne Worte, das bloße Dasein in seiner Gegenwart, das uns die Kraft schenkt, die wir selbst nicht aufbringen können.
Ich lade dich ein, in dieser Woche einen Moment der bewussten Stille zu suchen. Zünde eine Kerze an, schau in die kleine Flamme und wisse, dass du geliebt bist. Hoffnung wächst oft im Verborgenen, wie die Saat unter der Erde des kommenden Winters. Vertraue darauf, dass jeder Schritt, den du in Sanftmut und Glauben gehst, Spuren des Lichts in dieser Welt hinterlässt. Möge der Herr dein Herz behüten, dich trösten, wenn du einsam bist, und dir den Frieden schenken, den nur er geben kann. Ich schließe dich und deine Lieben in mein tägliches Gebet ein.
— Vater Aurelius